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Felchen fischen in der Schweiz: Seen, Hegene und Schonzeiten

Christoph Bachmann20 Min. Lesezeit

Felchen fischen in der Schweiz: Schonzeiten und Mindestmasse für 11 Seen, Hegene-Setup vom Ufer und Boot, Tiefen je Saison und alle Regeln 2026.

Felchen fischen: frisch gefangener Felchen in nassen Händen über dem Bootsrand, daneben eine Hegene mit kleinen Nymphen
Felchen fischen: frisch gefangener Felchen in nassen Händen über dem Bootsrand, daneben eine Hegene mit kleinen Nymphen

Felchen fischen ist in der Schweiz Königsdisziplin und Alltag zugleich. Rund 60 Prozent aller Fänge von Berufs- und Angelfischern zusammen sind Felchen (Fischereistatistik Schweiz, 2026). Kein anderer Fisch landet so oft im Netz oder am Haken. Trotzdem schrecken viele Einsteiger davor zurück, weil die Hegene kompliziert aussieht und jeder See eigene Regeln hat.

Genau das räumen wir hier auf. Du erfährst, welche Seen sich zum Felchen fischen lohnen, wie eine Hegene aufgebaut ist und was am Ufer und auf dem Boot funktioniert. Ausserdem bekommst du eine Tabelle mit Schonzeiten, Mindestmassen und Tagesfang für elf Schweizer Seen, alle mit offizieller Quelle. Und am Schluss landet der Fang auch auf dem Teller.

Was sind Felchen und warum gibt es so viele Arten?

Felchen sind Kaltwasserfische aus der Ordnung der Lachsartigen, wissenschaftlich heissen sie Coregonus. Forschende haben in der Schweiz mindestens 34 endemische Felchenarten benannt, und knapp ein Drittel davon ist bereits ausgestorben (BAFU, 2026). Am meisten Arten beherbergt der Thunersee, gefolgt vom Vierwaldstättersee und dem Bodensee mit Obersee.

In Deutschland und Österreich kennt man sie als Maränen oder Renken. Gemeint ist dieselbe Fischgruppe: silbrig, schlank, mit kleinem Maul und einer Vorliebe für kühles Wasser. Die Alpen bilden die südliche Grenze ihres natürlichen Verbreitungsgebiets. Felchen in Tessiner Seen stammen deshalb aus Besatz (Fischereistatistik Schweiz, 2026).

Coregonus: ein Fisch, viele Arten

Nach der letzten Eiszeit vor rund 15'000 Jahren besiedelten Felchen die Schweizer Seen. In jedem See spalteten sie sich in mehrere Arten auf, die sich in Nahrung, Laichzeit, Laichtiefe, Körperform und Wachstum unterscheiden (Fischereistatistik Schweiz, 2026). Tiefe Seen wie der Vierwaldstättersee können mehr als fünf Arten beherbergen. Jede davon gibt es nur dort und sonst nirgends auf der Welt.

Für dich als Angler hat das eine ganz praktische Folge. Ein Felchen aus dem Bielersee tickt anders als eines aus dem Zürichsee. Es frisst anderes, steht in anderen Tiefen und laicht zu einer anderen Zeit. Wer an einem neuen See fischt, fährt besser, wenn er die lokalen Gewohnheiten kennt, statt das Rezept vom Hausgewässer einfach zu kopieren.

Balchen, Albeli, Blalig, Blaufelchen: die Namen am See

Jede Region hat eigene Namen, und die sind oft genauer als das Wort "Felchen". Im Reuss-System mit Vierwaldstättersee und Zugersee hat die Eawag zehn Felchenarten identifiziert. Sieben davon wurden 2023 neu beschrieben, darunter der Bodenbalchen (Coregonus litoralis), das Albeli (C. muelleri) und der Balchen des Zugersees (C. supersum). Zwei Zuger Arten, C. zugensis und C. obliterus, sind ausgestorben (Eawag via Newswise, 2023).

Eine kleine Sensation ist der Edelfisch (Coregonus nobilis) im Vierwaldstättersee. Er galt lange als verschollen und wurde wiederentdeckt (BAFU, 2026). Heute gilt für ihn ganzjährig Fangverbot (lawa Luzern, 2026). Im Thunersee lebt der Kropfer (C. profundus), während andere Tiefseefelchen im Bodensee, Genfersee und Zugersee verschwunden sind.

Wie unterscheidet man Balchen und Albeli überhaupt? Fachleute zählen die Kiemenreusendornen. Balchen im Vierwaldstättersee haben 22 bis 32 davon, Albeli 33 bis 42 (Petri-Heil/FIBER, o. J.). Am Wasser hilft dir das wenig, aber es zeigt, wie fein die Arten angepasst sind. Gut zu wissen: Felchen können bis 70 cm gross werden.

Am Bodensee heisst der wichtigste Felchen Blaufelchen (Coregonus wartmanni). Er lebt in den oberen Schichten des offenen Sees, wird bis 50 cm lang und laicht von September bis Dezember. Der kleinere Gangfisch (C. macrophthalmus) misst rund 32 cm und laicht im November und Dezember ufernah (Wikipedia, 2026). Am Walensee sprechen die Fischer vom Blalig (Grossfelchen) und vom Albeli (Kleinfelchen).

Warum Felchen für den See so wichtig sind

Felchen spielen eine zentrale Rolle im Seeökosystem und sind gleichzeitig ein beliebter einheimischer Speisefisch (BAFU, 2026). Im letzten Jahrhundert sind mehr als zehn Schweizer Felchenarten ausgestorben. Hauptursache war die Überdüngung mit Phosphat und Stickstoff, die Algenblüten, Sauerstoffmangel und Laichausfälle auslöste (Fischereistatistik Schweiz, 2026).

Wer ein Felchen aus dem Wasser holt, hält also ein Stück Seegeschichte in der Hand. Das ist kein Grund, aufs Felchen fischen zu verzichten. Es ist aber ein guter Grund, Schonzeiten und Mindestmasse ernst zu nehmen. Und falls dich der zweite bekannte Lachsartige in unseren Gewässern reizt, lies unseren Guide zur Forelle in der Schweiz.

Wo kannst du in der Schweiz am besten Felchen fischen?

Einer der stärksten Felchenseen ist der Zürichsee mit Obersee: 2025 holten die Fischer dort rund 117 Tonnen Felchen heraus, 20 Prozent über dem langjährigen Mittel (Konkordatsbericht 2025, 2026). Gute Felchenseen findest du aber in fast jeder Region, von Zug über Luzern bis ins Berner Oberland.

Zürichsee und Obersee

Genau waren es 116'661 kg Felchen im Jahr 2025, nach 111'408 kg im Vorjahr. Am Obersee lag der Gesamtfang bei 67 Tonnen, davon 55,5 Tonnen Felchenartige. Beim Albeli sank der Ertrag dagegen auf 4'004 kg, ein Minus von 25 Prozent (Konkordatsbericht 2025, 2026). Die Felchen sind also da, und zwar reichlich.

Für Einsteiger aus der Region ist der Zürichsee ideal, weil die Regeln klar formuliert sind. Wo das Freiangelrecht gilt und welche Patente es gibt, erklären wir im Beitrag Fischen am Zürichsee. Die gleichen Felchenregeln (Schonzeit, 25 cm, 10 Stück) gelten im Kanton Zürich auch am Greifensee, Pfäffikersee und Türlersee (Kanton Zürich, 2026).

Walensee

Am Walensee sind Felchen mit gut 51 Prozent die wichtigste Fischart. 2025 war dort nur noch ein einziger Berufsfischer aktiv. Er fing 1,7 Tonnen Felchen, rund 70 Prozent seines gesamten Fangs (Konkordatsbericht 2025, 2026). Der Blalig (Grossfelchen) hat ein Mindestmass von 28cm, während diejenige des Albeli aufgehoben wurde.

Zugersee und Ägerisee

Im Kanton Zug liegt das Mindestmass höher als am Zürichsee: 28 cm am Zugersee und 26 cm am Ägerisee (Kanton Zug, 2025). Beim Thema PFAS gibt es gute Nachrichten. Felchen und Rötel aus dem Zugersee sind lebensmittelrechtlich konform, während Hechte und Egli weiterhin über den Höchstwerten liegen. Im Ägerisee waren alle Arten konform, insgesamt wurden 78 Speisefische untersucht (Radio Central, 2026).

Vierwaldstättersee

Der Vierwaldstättersee ist das Revier der Balchen und Albeli. Mit 30 cm hat er das höchste Felchen-Mindestmass in unserer Übersicht, nur im Alpnachersee gelten 25 cm (lawa Luzern, 2026). Der Edelfisch bleibt das ganze Jahr geschützt. Patente, Arten und Hotspots findest du im Guide Fischen am Vierwaldstättersee.

Thunersee, Brienzersee und Bielersee

Die drei Berner Seen sind echtes Felchenland. Der Thunersee hält den Schweizer Rekord bei der Artenvielfalt der Felchen (BAFU, 2026). Manche Arten laichen dort extrem tief, der Brienzlig im Thunersee bis auf 250 m (Petri-Heil/FIBER, o. J.).

Spannend ist die Begründung, mit der Bern die Regeln angepasst hat. "Aufgrund veränderter Wachstumsbedingungen" gilt im Thunersee ein Mindestmass von 25 cm und im Bielersee von 23 cm. Gleichzeitig sank der Tagesfang auf 15 Stück im Thunersee und 20 Stück im Bielersee, während am Brienzersee 18 cm und 25 Stück bleiben (Kanton Bern Merkblatt, 2023).

Sempachersee und Hallwilersee

Am Sempachersee heissen die Felchen Balchen. Pro Tag darfst du 15 davon behalten, das Mindestmass beträgt 25 cm. Über dem "Balchenberg" ist das Fischen vom 15. November bis 15. Januar ganz verboten (lawa Luzern, 2026).

Später als anderswo beginnt die Schonzeit am Hallwilersee: Sie dauert vom 1. Dezember bis 10. Februar (Übereinkunft Hallwilersee, 2021). Diese Übereinkunft ist seit Januar 2022 in Kraft. Eine neuere Fassung haben wir nicht gefunden, also wirf vor dem Saisonstart einen Blick auf die Seite des Kantons Aargau.

Bodensee-Obersee

2026 bleibt die Felchenrute am Bodensee-Obersee noch im Futteral. Vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026 gilt ein totales Felchen-Fangverbot (Kanton St. Gallen, 2026). Wie es danach weitergeht, liest du weiter unten. Für Egli, Hecht und Co. am gleichen See hilft dir unser Guide Fischen am Bodensee.

Felchen Schonzeit und Mindestmass: Welche Regeln gelten 2026?

Am Zürichsee und Obersee gilt für Felchenartige eine Schonzeit vom 20. November bis 31. Dezember, ein Mindestmass von 25 cm und ein Tagesfang von 10 Stück (Kanton Zürich, 2026). Andere Seen weichen teils deutlich ab. Je nach See beginnt die Felchen-Schonzeit irgendwann zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember.

Die folgende Tabelle fasst die Felchenregeln für elf Seen zusammen. Am Zürichsee misst du übrigens "von der Kopfspitze bis zum Ende der Schwanzflosse". Wo "siehe Kanton" steht, haben wir keine offizielle Tageslimite gefunden.

SeeSchonzeit FelchenMindestmassTagesfangStand
Zürichsee und Obersee20.11. bis 31.12. (Felchenartige)25 cm10 StückZH, gültig ab 1.1.2026
Zugersee15.11. bis 31.01.28 cmsiehe KantonZG, Stand Nov. 2025
Ägerisee15.11. bis 31.01.26 cmsiehe KantonZG, Stand Nov. 2025
VierwaldstätterseeBalchen/Felchen 15.10. bis 25.12.; Albeli 01.10. bis 25.12.; Edelfisch ganzjährig30 cm (Alpnachersee 25 cm); Albeli 22 cmsiehe KantonLU, 2026
Thunersee01.10. bis 31.12.25 cm15 StückBE, Stand 1.1.2026
Brienzersee (Angelrute)01.11. bis 31.12.18 cm25 StückBE, Stand 1.1.2026
Bielersee01.11. bis 31.12.23 cm20 StückBE, Stand 1.1.2026
WalenseeBlalig und Albeli 20.11. bis 31.12.Blalig 28 cm; Albeli ohne SchonmassBlalig 5 StückGL, Stand 2011 (bitte prüfen)
Bodensee-OberseeTotales Fangverbot 1.1.2024 bis 31.12.2026FangverbotFangverbotSG, 2026
SempacherseeBalchen 15.11. bis 25.12.25 cm15 BalchenLU, 2026
Hallwilersee01.12. bis 10.02.25 cm25 FelchenAG/LU, in Kraft seit 2022 (bitte prüfen)

Die Werte stammen aus den offiziellen Texten: den Fischereivorschriften des Kantons Zürich (2026), dem Infoblatt Angelfischerei Zug (2025), den Luzerner Seiten zum Vierwaldstättersee und Sempachersee (2026), der Berner Fischereidirektionsverordnung (2026), dem Glarner Erlass zum Walensee (2011), den St. Galler Bodensee-Bestimmungen (2026) und der Übereinkunft Hallwilersee (2021).

Von See zu See unterscheiden sich die Felchenregeln stark. In unserer Übersicht reicht das Fangmindestmass von 18 cm im Brienzersee (Kanton Bern, 2026) bis 30 cm im Vierwaldstättersee (lawa Luzern, 2026). Am Bodensee-Obersee gilt bis Ende 2026 sogar ein totales Felchen-Fangverbot (Kanton St. Gallen, 2026). Wer an mehreren Seen fischt, muss die Regeln also jedes Mal neu nachschlagen.

Was ist 2026 neu?

Per 1. Januar 2026 hat der Kanton Zürich die Ausführungsbestimmungen für Zürichsee und Obersee sowie das Fischereireglement für alle anderen Zürcher Gewässer geändert. Das Paket läuft unter dem Namen "Fischereimanagement 26+" (Kanton Zürich, 2026). Schonzeit und Mindestmass für Felchen sind am Zürichsee gleich geblieben, aber es lohnt sich, die neue Fassung einmal ganz durchzulesen.

Im Kanton Bern sind die Felchen-Schonzeiten am Thunersee und Bielersee befristet. Laut Verordnung gilt diese Änderung "längstens bis zum 31. Dezember 2028" (Kanton Bern FiDV, 2026). Danach kann sich also wieder etwas bewegen. Einen Überblick über alle Herbst-Schonzeiten, nicht nur für Felchen, findest du im Beitrag Schonzeiten im Herbst.

Untermassig oder in der Schonzeit gefangen: Was jetzt?

Es passiert auch Profis: Ein Felchen hängt, das zu klein ist oder in der Schonzeit beisst. Am Zürichsee musst du solche Fische "sofort sorgfältig und mit nassen Händen" zurücksetzen (Kanton Zürich, 2026). Halte deshalb immer einen Massstab und eine Lösezange griffbereit. Je schneller der Fisch zurück im Wasser ist, desto besser.

Was ist eine Hegene und wie ist sie aufgebaut?

Eine Hegene ist ein Vorfach mit mehreren kleinen Nymphen an kurzen Seitenarmen und einem Blei am Ende. Am Zürichsee darf sie mit Patent bis zu fünf Köder pro Schnur tragen, und Montagen mit mehr als einem Köder dürfen nur mit Einfachhaken bestückt sein (Kanton Zürich, 2026).

Die Nymphen imitieren die winzige Nahrung, die Felchen im Freiwasser und in Grundnähe aufnehmen. Mehrere Köder übereinander decken gleichzeitig verschiedene Tiefen ab. Genau das macht die Hegene beim Felchen fischen so effektiv, denn Felchenschwärme stehen oft in einem schmalen Band, das du zuerst finden musst.

So baust du die Hegene auf

Der Aufbau ist einfacher, als er aussieht. Von oben nach unten sieht eine typische Felchenmontage so aus:

  1. Hauptschnur: monofil oder geflochten, rund 6 kg Tragkraft
  2. Snap, damit du die Hegene schnell wechseln kannst
  3. Nur vom Ufer: Unterwasserpose
  4. Die Hegene selbst mit Nymphen in Hakengrösse 12 bis 16
  5. Das Blei am Ende: Birnenblei mit 5-7 g (Boot) beziehungsweise 30 bis 40 g in der Ufervariante von Stucki

Kauf die Hegene am Anfang fertig gebunden. Selber binden kannst du später immer noch, wenn du weisst, welche Nymphen an deinem See laufen.

Wie viele Köder sind an welchem See erlaubt?

Hier wird es knifflig, denn jeder Kanton regelt die Hegene etwas anders. Die wichtigsten Vorgaben im Überblick:

  • Zürichsee und Obersee (Patent): bis zu fünf Köder pro Schnur, höchstens drei Haken pro Köder, bei mehreren Ködern nur Einfachhaken (Kanton Zürich, 2026)
  • Brienzer-, Thuner- und Bielersee (Patent): zwei Angelruten mit maximal je zwei Ködern oder bei der Hegenenfischerei maximal je fünf Ködern mit je einem einfachen Haken (Kanton Bern FiDV, 2026)
  • Sempachersee: zwei Ruten mit je einer Hegene, pro Hegene bis zu sechs Seitenarme mit je einem einfachen Haken, mit oder ohne Widerhaken (lawa Luzern, 2026)
  • Bodensee-Obersee: höchstens fünf Anbissstellen; vom Boot bei mehr als einer Anbissstelle Einzelhaken mit mindestens 6 mm Hakenweite (Kanton St. Gallen, 2026)
  • Walensee: Hegene mit höchstens fünf Ködern mit Einfachhaken, Stand 2011 (Kanton Glarus, 2011)

Fünf Köder sind also fast überall die Obergrenze, der Sempachersee ist mit sechs Seitenarmen die Ausnahme. Für Zugersee und Vierwaldstättersee haben wir keine spezifische Hegene-Regel gefunden. Frag dort beim Patentkauf nach.

Hegene und Freiangelrecht: Brauchst du ein Patent?

Ja, ohne Patent hast du kaum Chancen auf eine Felche. Im Zürcher Freiangelrecht darfst du vom Ufer mit einer Angelrute fischen, aber nur "mit einem einzigen Köder mit einfachem Haken ohne Widerhaken" (Kanton Zürich, 2026). Erlaubt sind natürliche Köder, Lebensmittel und künstliche Fliegen mit der Fliegenrute. Eine Hegene mit fünf Nymphen fällt klar nicht darunter.

Am Luzerner Teil des Vierwaldstättersees sieht es ähnlich aus. Ohne Patent fischst du dort mit einer einfachen Rute ohne Widerhaken und nur mit natürlichen Ködern (lawa Luzern, 2026). Wer ernsthaft auf Felchen gehen will, braucht also ein Patent. Was das Zürcher Patent kostet und wie du es kaufst, steht im Beitrag Fischereipatent Zürich 2026.

Welche Nymphen fangen wirklich?

Die ehrliche Antwort: Das hängt vom See ab. Ein bekanntes Beispiel aus der Fachliteratur zeigt, dass Bielersee-Nymphen im Zürichsee schlicht ignoriert wurden (Petri-Heil/FIBER, o. J.). Die Felchen jedes Sees haben sich auf ihre lokale Nahrung eingestellt.

Derselbe Artikel rät, lieber Nymphengrösse, Hakengrösse und Tiefe zu variieren, statt nur die Farbe zu wechseln. Das deckt sich mit unserer Erfahrung am Wasser. Wenn nichts beisst, liegt es meist an der falschen Tiefe und selten an der falschen Farbe. Bei uns am Zürichsee sind meistens rot/schwarze und violett/schwarze Nymphen eine gute Wahl. Frag im lokalen Fischereigeschäft, welche Muster gerade laufen, die Leute dort wissen es meistens genau.

Wie klappt das Felchen fischen vom Ufer?

Vom Ufer fischst du Felchen am besten mit einer langen Feederrute von 3,60 bis 4,20 m und bis 120 g Wurfgewicht, einer Stationärrolle, einer geflochtenen Schnur und einem Birnenblei von 20 bis 50 g. Mit Patent sind am Zürichsee vom Ufer zwei Ruten erlaubt, aber keine zusätzliche Freiangel (Kanton Zürich, 2026).

Warum so lange Ruten? Sie bringen die Hegene weiter hinaus, wo das Wasser schnell tiefer wird. Ausserdem stellt die lange Rute die Schnur steiler, was die Bissanzeige deutlicher macht. Viele Uferfischer setzen dafür einen Leuchtring oder Glöckchen an die Rutenspitze.

Die Ufermontage mit Unterwasserzapfen

Eine bewährte Variante beschreibt Stucki Fishing. Sie arbeitet mit einem kleinen Zapfen unter Wasser, der die Hegene aufrecht hält (Stucki Fishing, 2025):

  1. Feederrute mit 360 oder 390 cm Länge
  2. Steck- oder Unterwasserzapfen mit 5-10 Gramm auf die Hauptschnur
  3. Wirbel mit Snap als Verbindung
  4. Hegene mit Haken in Grösse 12 bis 16
  5. Blei mit 30 bis 40 g, "mindestens 30 Gramm", damit sich der Fisch beim Biss selbst hakt

Das schwere Blei ist kein Zufall. Felchen haben ein weiches Maul und beissen vorsichtig. Ein Blei mit genug Gewicht sorgt dafür, dass der Haken greift, bevor der Fisch die Nymphe wieder ausspuckt.

Tiefe finden und variieren

Die Felchen stehen vom Ufer oft ab etwa 12 m Tiefe. Im Januar tiefer (20-25 Meter), im Frühling sogar seht nahe am Ufer mit 8 Meter. Der erfahrene Felchenfischer Markus Iten beschreibt, dass grosse Felchen teils in nur 4 bis 6 m Tiefe in Ufernähe stehen (Petri-Heil, Markus Iten, 2023).

Die Empfehlung lautet, die Tiefe alle 5 bis 10 Minuten zu verändern, bis die ersten Bisse kommen. Klingt mühsam? Ist es manchmal auch. Aber sobald du die richtige Tiefe gefunden hast, kommen die Bisse oft Schlag auf Schlag.

Wann lohnt sich das Ufer?

"Frühlingszeit ist Felchenzeit", schreibt das Schweizer Fachmagazin Petri-Heil. Am Bielersee fangen Uferfischer bereits im Januar Felchen an den tiefsten Stellen, mit dem Frühling werden es deutlich mehr (Petri-Heil, 2020). Achte nur darauf, dass am gewählten See die Schonzeit vorbei ist. Am Zugersee etwa dauert sie bis Ende Januar.

Felchen fischen vom Boot: Was ist anders?

Vom stehenden Boot darfst du am Zürichsee drei Ruten oder Schnüre einsetzen, und Fischortungsgeräte wie das Echolot sind ausdrücklich erlaubt (Kanton Zürich, 2026). Das Boot bringt dich direkt über die Schwärme im Freiwasser, die vom Ufer aus unerreichbar sind.

Mit dem Echolot Schwärme finden

Das Echolot ist beim Felchen fischen vom Boot dein wichtigstes Werkzeug. Gerade im Janur und Februar stehen die Felchen tief und sind Grundnah als Schwarm gut auf dem Echolot sichtbar.

Fahr langsam über die Kanten und beobachte, wo sich Fischsicheln häufen. Steht ein Schwarm, stoppst du das Boot direkt darüber. Manchmal kommen Bisse direkt nachdem du auch nur 10 Metern das Boot verschoben hast. Der Grund ist oft, dass der Anker Sedimente und damit auch Futter aufwirbelt und die Felchen aktiviert.

Die Hegene richtig führen

Lass die Hegene bis zum Grund ab und hol dann ein kleines Stück Schnur ein, bis du keinen Schnurbogen mehr hast. Jetzt hebst du die Rutenspitze gleichmässig langsam an. Nach rund einem halben Meter senkst du sie wieder ab. Viele Bisse kommen in der Absinkphase, wenn die Nymphen fast stillstehen.

Der Biss ist oft nur ein leichtes Zittern der Spitze oder eine plötzlich schlaffe Schnur. Schlag dann gefühlvoll an, nicht mit voller Kraft. Im Drill gilt: gleichmässiger Zug, keine Hektik, und den Kescher früh bereithalten. Wer zu hart pumpt, verliert Felchen schneller, als ihm lieb ist.

Wie geht es den Felchen in Schweizer Seen?

Je nach See sehr unterschiedlich. Am Zürichsee lag der Felchenertrag 2025 rund 20 Prozent über dem langjährigen Mittel (Konkordatsbericht 2025, 2026). Am Bodensee-Obersee fingen die Berufsfischer 2022 dagegen nur noch 21 Tonnen Felchen, 80 Prozent weniger als im Vorjahr (swissinfo, 2026).

Besatz am Zürichsee: Streit um Millionen Eier

Der Besatz am Zürichsee ist enorm. 2025 erbrütete die Fischzucht Stäfa aus 68'280'000 Sandfelchen-Eiern 50'526'000 Fische, die in den See kamen. Beim Albeli wurden aus 25'541'000 Eiern 19'940'000 Jungfische eingesetzt (Konkordatsbericht 2025, 2026). Im Dezember 2025 wurden 66 Millionen Felcheneier eingelegt. Am Walensee kamen aus 400'000 Eiern 300'000 Brütlinge in den See.

Jetzt steht dieser Besatz zur Debatte. Eine Studie im Auftrag des Zürcher Fischereiverwalters Lukas Bammatter zeigt, dass nur "12 bis 13 Prozent der untersuchten Felchen aus Besatzmassnahmen stammen" (linth24, 2026). Die grosse Mehrheit wächst also aus natürlicher Fortpflanzung heran, und die Studie empfiehlt einen Besatzstopp.

Berufsfischer und Fischereiverbände aus Zürich, St. Gallen, Schwyz und Glarus wehren sich. Berufsfischer Adrian Gerny verweist auf eine Obersee-Kohorte mit "26 Prozent" Besatzanteil. Entschieden ist noch nichts, der Ball liegt bei den Regierungsräten der vier Kantone. Für uns Angler ist die Kernaussage beruhigend: Die Felchen im Zürichsee pflanzen sich offenbar gut selbst fort.

Bodensee: vom Brotfisch zum Fangverbot

Der Bodensee zeigt, wie schnell ein Felchenbestand kippen kann. Die 21 Tonnen von 2022 waren der tiefste Stand seit 1909. Als Ursachen gelten der Stichling als Nahrungskonkurrent, die Quaggamuschel und Nährstoffmangel (swissinfo, 2026). Ausserdem werden die Fische kleiner: Ein durchschnittliches Bodenseefelchen wog früher 420 Gramm, heute sind es noch rund 230 Gramm (ORF Vorarlberg, 2026).

Es gibt aber Hoffnung. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) hat im Juni 2026 entschieden, den Felchenfang ab Mai 2027 wieder in begrenztem Umfang zu erlauben, mit weniger Fangtagen und festgelegten Maschenweiten (ORF Vorarlberg, 2026). Auch die Angelfischerei soll wieder möglich werden, allerdings eingeschränkt. Die genauen Regeln für Angler sind noch nicht publiziert.

Was sagen die PFAS-Messungen?

Bei den Felchen sieht es gut aus. Felchenproben aus Zürichsee, Greifensee und Pfäffikersee lagen unter den gesetzlichen PFAS-Höchstwerten (Kanton Zürich, 2026). Auch die Felchen aus dem Zugersee sind lebensmittelrechtlich konform (Radio Central, 2026). Raubfische wie Hecht und Egli schneiden an manchen Seen schlechter ab, die Felchen dagegen nicht.

Wie versorgst du Felchen nach dem Fang richtig?

Alle Felchen, die du behältst, musst du am Zürichsee "unmittelbar nach dem Fang fachgerecht" töten. Lebende Fische zu hältern, etwa im Setzkescher, ist nicht gestattet (Kanton Zürich, 2026). Betäuben und töten gehören deshalb zu den ersten Handgriffen nach jedem Fisch, den du behältst.

Danach zählt vor allem Kühle, denn Felchenfleisch ist zart und hell. Nimm eine Kühlbox mit, nimm die Fische zügig aus und lagere sie kalt, bis du zu Hause bist.

Und dann? Felchen sind vielseitig in der Küche. Ganz gebraten, als Filet aus der Pfanne oder geräuchert schmecken sie hervorragend. Ein Klassiker, den fast alle mögen, sind Fischknusperli. Unser Rezept für Fischknusperli mit Egli- und Felchenfilets zeigt dir Schritt für Schritt, wie sie richtig knusprig werden.

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Häufig gestellte Fragen

Wann ist Schonzeit für Felchen?

Die Felchen-Schonzeit hängt vom See ab: Am Zürichsee dauert sie für Felchenartige vom 20. November bis 31. Dezember (Kanton Zürich, 2026). Am Zugersee dauert sie vom 15. November bis 31. Januar, am Thunersee vom 1. Oktober bis 31. Dezember. Die Tabelle oben zeigt alle elf Seen.

Wie gross muss ein Felchen sein, damit ich es behalten darf?

An den elf Seen unserer Übersicht liegt das Felchen-Mindestmass zwischen 18 cm im Brienzersee und 30 cm im Vierwaldstättersee (Kanton Bern, 2026; lawa Luzern, 2026). Am Zürichsee sind es 25 cm, gemessen von der Kopfspitze bis zum Ende der Schwanzflosse. Kleinere Fische setzt du sofort mit nassen Händen zurück.

Darf ich ohne Patent mit der Hegene auf Felchen fischen?

Nein, am Zürichsee braucht die Hegene ein Patent. Das Zürcher Freiangelrecht erlaubt nur eine Rute mit einem einzigen Köder an einem einfachen Haken ohne Widerhaken (Kanton Zürich, 2026). Eine Hegene mit mehreren Nymphen fällt deshalb nicht darunter. Prüf vor dem Kauf, welche Voraussetzungen der jeweilige Kanton verlangt.

Darf man im Bodensee Felchen fischen?

Aktuell nicht. Im Bodensee-Obersee gilt vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2026 ein totales Felchen-Fangverbot (Kanton St. Gallen, 2026). Ab Mai 2027 soll der Fang eingeschränkt wieder erlaubt sein, auch für Angler. Die genauen Angelregeln für 2027 sind noch nicht veröffentlicht.

Wie viele Felchenarten gibt es in der Schweiz?

Forschende haben mindestens 34 endemische Felchenarten in der Schweiz benannt (BAFU, 2026). Zehn davon existieren nur noch als Belege in Archiven, knapp ein Drittel gilt als ausgestorben. Die meisten Arten leben im Thunersee, gefolgt vom Vierwaldstättersee und dem Bodensee mit Obersee.

Fazit

Felchen fischen ist kein Hexenwerk, auch wenn die Hegene am Anfang verwirrend aussieht. Wichtig sind drei Dinge: die Regeln deines Sees kennen, die richtige Tiefe suchen und Geduld mitbringen. Die Schonzeiten und Mindestmasse unterscheiden sich stark, von 18 cm am Brienzersee bis 30 cm am Vierwaldstättersee. Am Bodensee bleibt der Felchenfang bis Ende 2026 sogar ganz verboten.

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